Festival für Weltliteratur
26.–31.1.2026 – Köln

Rike Scheffler (1985) ist eine deutsche Dichterin, Musikerin und Übersetzerin. Sie studierte Psychologie und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2014 erschien ihr Debütband der rest ist resonanz, der mit dem Orphil- Debütpreis geehrt wurde. Ihr jüngster Gedichtband Lava. Rituale (2023) ergründet Möglichkeiten artenübergreifender Allianzen mit mehr-als-menschlichen Lebewesen und Künstlicher Intelligenz und entwirft dabei ein mit der Natur verbundenes Sprechen. Aus ihren Gedichten entwickelt Rike Scheffler häufig vielstimmige Performances und immersive Wort- und Soundinstallationen, die in der Neuen Nationalgalerie und im Hamburger Bahnhof in Berlin, im Kopenhagener Louisiana Museum of Modern Art und im Palais de Tokyo in Paris präsentiert wurden. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Stipendien u.a. von der Deutschen Akademie Villa Massimo sowie der Akademie der Künste Berlin. Ihre Gedichte wurden vielfach übersetzt, u.a. ins Englische, Italienische und Spanische.
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Asmaa Azaizeh (1985) ist eine palästinensische Lyrikerin, Herausgeberin und Autorin. Nach dem Studium der Journalistik und der Englischen Literatur an der Universität in Haifa war sie zunächst als Redakteurin in verschiedenen arabischen Zeitungen und Rundfunksendern tätig. Ihr Debüt als Lyrikerin gab sie 2011 mit dem Gedichtband ليوا [Liwa], der mit dem Abdul-Mohsen-Al-Qattan-Preis für Nachwuchsautor:innen ausgezeichnet wurde. Es folgten drei weitere Gedichtbände, darunter لا تصدّّقوني إن حدّّثتكم عن الحرب [Glaub mir nicht, wenn ich dir vom Krieg erzähle], welcher 2019 auf Arabisch, Niederländisch und Schwedisch erschien. Azaizeh ist Herausgeberin der zweisprachigen Anthologie Ein Stein, nicht umgewendet (2017) mit Gedichten von palästinensischen und deutschen Dichter:innen. Aufgrund des Krieges emigrierte die Autorin 2025 nach Europa.
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Natalie Diaz (1978) ist eine indigene US-amerikanische Lyrikerin und Dozentin. Sie lehrt zeitgenössische Lyrik an der Arizona State University in Phoenix. Diaz wuchs im Fort Mojave-Reservat in Kalifornien auf und setzt sich als Schriftstellerin, Wissenschaftlerin und politische Aktivistin für den Erhalt indigener Sprachen ein. 2013 erschien ihr erster Gedichtband When My Brother Was an Aztec, der für den PEN/ Open Book Award nominiert war und mit dem American Book Award geehrt wurde. Für ihren zweiten Gedichtband Postcolonial Love Poem (2020) erhielt Natalie Diaz den Pulitzer Prize for Poetry. Ihre Gedichte thematisieren die anhaltende Unterdrückung indigener Gemeinschaften und ihrer Lebensräume. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 2018 das MacArthur Fellowship.
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Alhierd Bacharevič (1975) ist ein belarusischer Romanautor, Essayist und Übersetzer. Er gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen seines Landes. Nach seinem Studium der belarusischen Literatur und der Sprachwissenschaften in Minsk veröffentlichte er zahlreiche Romane und Essaybände. Auf Deutsch sind u.a. Die Elster auf dem Galgen (2010) und Das letzte Buch von Herrn A. (2023) erschienen. Sein 900-seitiger Roman Europas Hunde (2024) wurde vielfach geehrt, u.a. 2025 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Darüber hinaus ist Bacharevič als Übersetzer tätig, er hat Hans Magnus Enzensberger und Sagen von Wilhelm Hauff ins Belarusische übertragen. 2020 engagierte er sich bei den Protesten gegen die Diktatur Lukaschenkos, woraufhin seine Werke in Belarus verboten wurden. In der Folge sah sich Bacharevič gezwungen, ins Exil zu gehen. Zur Zeit lebt er in Berlin.
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Haytham El-Wardany (1972) ist ein ägyptischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer. Geboren in Kairo, zog er 1999 nach Berlin und lebt seither in beiden Städten. El-Wardany hat zahlreiche Prosabände veröffentlicht, darunter den international beachteten Essayband كيف تختفي, veröffentlicht 2013 und übersetzt ins Englische als How to Disappear (2017). Sein Prosaband The Book of Sleep (2017), der 2020 in englischer Übersetzung erschien, entstand vor dem Hintergrund der ägyptischen Protestbewegung Anfang der 2010er Jahre. In lyrischen Kurzprosatexten untersucht El-Wardany darin den Schlaf im Kontext von politischem Widerstand. Zudem übersetzte er die Werke von Walter Benjamin ins Arabische, die damit erstmalig einer arabischen Leser:innenschaft zugänglich gemacht wurden. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Cairo International Book Fair Prize (2012, 2020) und dem Keith Haring Fellowship (2023).
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Angélica Freitas (1973) ist eine brasilianische Lyrikerin, Übersetzerin und Herausgeberin. Nach dem Abschluss ihres Studiums war sie zunächst als Journalistin in São Paulo tätig. Ihr lyrisches Debüt gab sie mit dem Gedichtband Rilke Shake (2007), der 2011 auf Deutsch erschien. Der Band Um útero é do tamanho de um punho (2012) war 2013 für den Literaturpreis Portugal Telecom nominiert und erschien 2020 in deutscher Übersetzung unter dem Titel Der Uterus ist groß wie eine Faust. Freitas’ Lyrik spielt mit Satire und Ironie, um patriarchale Gewalt und binäre Geschlechterrollen zu thematisieren. 2020 war sie Stipendiatin des DAAD-Künstler:innenprogramms Berlin. In den letzten Jahren inszenierte Angélica Freitas gemeinsam mit der Musikerin Juliana Perdigão die lyrisch-musikalischen Performances Canções de atormentar [Quälende Lieder]. Zuletzt erschien 2025 der Gedichtband Mostra Monstra [Monstershow].
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Sarah Howe (1983) ist eine in Hongkong geborene britische Dichterin, Autorin, Lektorin und Dozentin. Für ihren ersten Gedichtband Loop of Jade (2015) erhielt sie 2015 den T. S. Eliot Prize. Damit wurde erstmals in der Geschichte des Preises ein Debütband ausgezeichnet. Auch ihr jüngst erschienener Gedichtband Foretokens (2025) steht auf der Shortlist des T. S. Eliot Prize und wurde von der Poetry Book Society ausgezeichnet. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet sie kreatives Schreiben, u.a. am King’s College London und an der Universität in Liverpool. 2014 gründete sie Prac Crit, eine Onlinezeitschrift für Poesie und Literaturkritik. Zudem ist Sarah Howe Lektorin für Lyrik beim britischen Verlag Chatto & Windus. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen und Stipendien geehrt, u.a. von der Hawthornden Foundation (2012) und dem Radcliffe Institute (2015).
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Sofia Jernberg (1983) ist eine schwedisch-äthiopische Stimmkünstlerin, Sängerin und Komponistin. Im Zentrum ihres Schaffens steht die menschliche Stimme. Mithilfe von unkonventionellen Techniken und Sounds wie Split-Tones, nicht-verbales Vokalisieren und Distortion erkundet Jernberg die körperlichen Möglichkeitsräume der Stimme. Ihr musikalisches Werk bewegt sich zwischen Jazz, Improvisation und Neuer Musik. Neben Solo-Performances tritt sie in Kammeropern, als Solistin mit Sinfonieorchestern und in Jazz-Ensembles auf. Gemeinsam mit dem Pianisten Alexander Hawkins veröffentlichte sie 2023 das Album Musho, das Klagelieder und Gesänge u.a. aus Äthiopien, Schweden und Armenien interpretiert. Mit ihren künstlerischen Arbeiten trat sie u.a. bei den Wiener Festwochen (2021), den KunstFest-Spielen Herrenhausen (2022), dem Festival d’Automne Paris (2022) und dem Jazzfest Berlin (2025) auf.
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Ursula Krechel (1947) ist eine deutsche Schriftstellerin. Ihr Werk umfasst Gedichte, Romane, Essays, Hörspiele und Theaterstücke. Nach der Veröffentlichung erster Hörspiele und Essays gab sie 1977 ihr Debüt als Lyrikerin mit dem Gedichtband Nach Mainz!. Seither sind fünfzehn Gedichtbände erschienen, darunter Verbeugungen vor der Luft (1999) und Beileibe und Zumute (2021). Für ihren Roman Landgericht erhielt sie 2012 den Deutschen Buchpreis. Feminismus ebenso wie die Themen Flucht, Exil und Gewalt besonders mit Blick auf die Nachkriegszeit ziehen sich durch ihr vielfältiges Gesamtwerk. Zuletzt erschien der Roman Sehr geehrte Frau Ministerin (2025) sowie der Essayband Vom Herzasthma des Exils (2025). Krechel lehrte u.a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Universität der Künste in Berlin. Ihr Werk wurde vielfach geehrt, u.a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis (2009) und dem Jean-Paul-Preis (2019). 2025 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis.
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Mélissa Laveaux (1985) ist ein:e haitianisch-kanadische Musiker:in, Singer-Songwriter:in und Gitarrist:in. Seit ihrem Debüt album Camphor and Copper (2006) sind vier Alben erschienen, darunter Radyo Siwèl (2018) und Mama Forgot Her Name Was Miracle (2022). Ihre Musik verbindet Elemente des Folk, Indie und Blues und ist besonders bekannt für Laveauxs unverwechselbare Stimme. Laveaux singt auf Englisch, Französisch und Haitianischem Kreyòl. Seit 2018 veröffentlicht sie unter ihrem eigenen Label Twanèt. Ihre poetischen Lyrics thematisieren Black Feminism, queere und dekoloniale Perspektiven. So interpretiert ihr Album Radyo Siwèl (2018) alte haitianische Widerstandslieder aus der Zeit der US-Besatzung (1915–1934) neu. Laveaux tritt weltweit auf und wurde vielfach geehrt, u.a. mit dem Prix Lagardère (2008). 2024 wurde sie zur Chevalière des Arts et des Lettres ernannt, eine der bedeutendsten künstlerischen Auszeichnungen Frankreichs.
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Joyelle McSweeney (1976) ist eine US-amerikanische Lyrikerin, Autorin, Dozentin und Verlegerin von Action Books. Auf ihren ersten Gedichtband The Red Bird (2002) folgten u.a. der Essayband The Necropastoral: Poetry, Media, Occults (2014) sowie der vielbeachtete Lyrikband Toxicon and Arachne (2020). Ruin, Verlust und Zerstörung in Anbetracht ökologischer Ausbeutung sind zentrale Themen in ihrem Werk. Zuletzt erschien der Gedichtband Death Styles (2024). McSweeney ist Professorin für Englische Sprache und Literatur an der University of Notre Dame. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. das Guggenheim Fellowship for Poetry (2022), und den Literature Award from the Academy of American Arts and Letters (2022). McSweeney ist zu Gast bei der Konferenz »Anthropocene Necropoetics: Empire, Violence, and Ecological Ruin in US Poetry«, die vom 28.–30. Januar 2026 an der Universität zu Köln stattfindet. Bei der Poetica 11 ist sie mit Gastauftritten präsent.
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Mette Moestrup (1969) ist eine dänische Schriftstellerin, Lyrikerin, Übersetzerin und Kritikerin. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaften in Aarhus und war Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift Den Blå Port. Seit ihrem Lyrikdebüt Tatoveringer [Tattoos] (1998) veröffentlichte sie fünf weitere Gedichtbände und einen Roman. 2017 erschien ihr Band Stirb, Lüge, stirb auf Deutsch. Mette Moestrup arbeitet häufig multimedial und performativ, auch in ihrer Lyrik. So nehmen manche ihrer Gedichte die Form von Ritualen und Beschwörungen an. Darüber hinaus ist sie als Übersetzerin tätig; sie hat u.a. Silvia Plath und Sappho ins Dänische übertragen. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehören u.a. der Beatrice-Preis (2018) und der Lifetime Honour Award der Danish Arts Foundation (2019). Zuletzt erschien ihr Gedichtband Butterfly Nebula (2025).
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Daniela Seel (1974) ist eine deutsche Lyrikerin, Übersetzerin und Verlegerin. Ihr erster Gedichtband ich kann diese Stelle nicht wiederfinden wurde 2011 veröffentlicht. Es folgten die Lyrikbände was weißt du schon von prärie (2015) und Auszug aus Eden (2019). Zuletzt erschien 2024 ihr vielbeachtetes Langgedicht Nach Eden. Seels Gedichte erkunden existentielle Themen wie Verletzlichkeit und Sterblichkeit, besonders vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ungleichheiten und ökologischer Zerstörung. Zudem ist sie als Übersetzerin tätig und hat u.a. Robert Macfarlane ins Deutsche übertragen. Seit 2003 verlegt Daniela Seel in dem von ihr mitbegründeten Berliner Verlag kookbooks zeitgenössische deutschsprachige Lyrik. Für ihre Verlagsarbeit sowie ihr lyrisches Werk wurde Seel vielfach geehrt, u.a. mit dem Mondseer Lyrikpreis (2017), dem Heimrad-Bäcker-Preis (2023); zuletzt 2025 mit dem Kleist-Preis.
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