Festival für Weltliteratur
22.–27.1.2018 – Köln

›Beyond Identities‹

Auftaktveranstaltung mit den Autoren der Poetica
Montag, 22.1.2018, 18.00 Uhr

Universität zu Köln, Aula II

Tief in eine Lektüre versunken, vergessen wir oft unsere Identität und befinden uns in einem fremden Leben. Wir gehen in Manhattan spazieren, obwohl wir in Köln leben. Wir werden Zeugen einer Folter unter einer Diktatur oder backen Madeleine im Paris der dreißiger Jahre. In einem Text können wir das Geschlecht wechseln, wieder ein Kind sein, sogar ein Tier oder eine Pflanze sein. Ein Identitätsspiel ist ein Versuch, den Menschen in seiner Verwandelbarkeit zu verstehen. Die Literatur hat sich schon seit Tausenden von Jahren mit dieser rätselhaften Kunst der Verwandlung beschäftigt.

›Beyond Identities‹ heißt das Thema der Poetica IV, gesetzt von der deutsch-japanischen Kuratorin Yoko Tawada, die zum Auftakt der Festivalwoche alle Autoren in Lesungen und Gesprächen vorstellen wird. Hinzu kommen Grußworte und ›minima poetica‹ vom Rektor der Universität zu Köln, Axel Freimuth, sowie von Günter Blamberger vom Wissenschaftskolleg Morphomata und von Ernst Osterkamp von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Mit den Autoren: Jeffrey Angles (USA), Bei Dao (China), Anneke Brassinga (Niederlande), Teju Cole (USA/Nigeria), Hiromi Itō (Japan), Kim Hyesoon (Südkorea), Barbara Köhler (Deutschland), Morten Søndergaard (Dänemark), Monique Truong (USA/Vietnam), Jan Wagner (Deutschland). 

Musikalisch begleitet wird der Abend von der Pianistin Aki Takase.

Es lesen Ensemblemitglieder des Schauspiel Köln: Yuri Englert, Nicola Gründel und Philipp Plessmann.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss lädt die Universität zu Köln zu einem Empfang ein.

Literatur im Dialog I

›Von Tieren und Menschen‹
Dienstag, 23.1.2018, 14.00 Uhr

Universität zu Köln, Neuer Senatssaal

»Das Tier ist mein Versteck und die Buchstaben versuchen, mich wiederzufinden.« – Yoko Tawada

Am Beispiel von Kafkas Text Die Verwandlung diskutieren die Autoren der Poetica IV mit den Fellows des Wissenschaftskol- legs Morphomata und dem Publikum über das Animalische des Menschen und das Humane des Tieres, über Freiheitsgrade und das Glück bzw. Unglück von Perspektivwechseln. Warum versteht man auf der ganzen Welt, dass Gregor Samsa sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt?

Moderation: Yoko Tawada, Günter Blamberger.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

Der Eintritt ist frei.

Die Kunst der Verwandlung I

Lesungen und Dialoge mit Bei Dao, Teju Cole, Kim Hyesoon und Barbara Köhler
Dienstag, 23.1.2018, 19.30 Uhr

Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Köln

In Texten und Fotos bewegt sich Teju Cole als Flaneur durch New York wie Lagos und entautomatisiert dabei unsere Wahrnehmungen von Amerika und Afrika, macht das Vertraute fremd und das Fremde vertraut. – Für Bei Dao kann die Rückehr nach ›Hause‹ länger dauern als das Leben. Warum, fragt er, machen Bücher solch einen Lärm? Sie sind Folge des Zorns. – »Die Frau flatterte gern aus ihren Hüllen / Der Mann weinte beim Schälen,ein Zwiebelweinen, und sie / Weinte mit«. Kim Hyesoon ist eine Querdenkerin und Unruhestifterin, die in ihrer Poesie traditionelle Bilder des Feminismus aufbricht. – »Sie ist viele. Sie sind eins./ Er sagt: Ich bin, der ich bin.« So Barbara Köhler, in der DDR aufgewachsen, jetzt in Duisburg wohnhaft, für die jede topologische Verortung schwierig ist, ob es nun Orte in der Welt oder der Literatur oder beide zugleich sind. Ist Poesie nicht eher Einübung in die Enthaltung vom Halt?

Moderation: Yoko Tawada, Gabriele Rippl.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt und wird simultan übersetzt. 

Es liest Yuri Englert.

In Kooperation mit der Stadtbibliothek Köln.

Eintritt 8/6 EUR

Die Karten erhalten Sie an der Abendkasse.

Literarische Werkstatt

mit Yoko Tawada
Mittwoch, 24.1.2018, 10.00 Uhr

Internationales Kolleg Morphomata

Das Erlernen poetischer Verwandlungskunst hat man immer schon geübt, in den barocken Literaturgesellschaften mit Hilfe von poetischen Trichtern ebenso wie in den Kombinationsspielen der Surrealisten oder der Konkreten Poesie. Im Rahmen der Poetica IV gibt eine literarische Werkstatt Studierenden der Universität zu Köln die Gelegenheit zur allmähligen Verfertigung von Gedichten beim Experimentieren, unter der Leitung von Yoko Tawada. Die Zahl der Teilnehmer für den halbtägigen Workshop ist begrenzt.  Bewerber melden sich mit einer Textprobe vorab bei Antonia Villinger (). Frist hierfür ist der 05. Januar 2018.

Die Veranstaltung ist nicht öffentlich.

Die Kunst der Verwandlung II

Lesungen und Dialoge mit Morten Søndergaard, Monique Truong und Jan Wagner
Mittwoch, 24.1.2018, 19.30 Uhr

Literaturhaus Köln

Identitätsspiele sind Genderspiele sind Sprachspiele, dergestalt schreibt die vietnamesisch-amerikanische Autorin Monique Truong über den vietnamesischen Koch, der bei Gertrude Stein in Paris gearbeitet hat. – In Jan Wagners virtuos-spielerischer Lyrik sind die kleinen Dinge und Lebewesen die großen, ob er über den Giersch, die Amsel oder die Schlehe schreibt. Es ist, »als hätten sich alle buchstaben/ auf einmal aus der zeitung gelöst/ und stünden als schwarm in der luft«. –  Zwischen Präsenz und Absenz, Lokalisierung und Delokalisierung, Realem und Surrealem bewegt sich Morten Søndergaards Inter-Art-Dichtung: »Ich weiß, daß ich da bin als Bewegung/ als fortlaufender Tod«.

Moderation: Yoko Tawada, Heinrich Detering, Martin Hielscher.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

In Kooperation mit dem Literaturhaus Köln.

Eintritt 8/6/4 EUR

 

Karten gibt es an der Abendkasse, im Vorverkauf über Offticket oder die folgenden Buchhandlungen:
Lengfeld’sche Buchhandlung,
Kolpingplatz,T. +49 (0)221-257 84 03
Buchhandlung Bittner,
Albertusstraße, T. +49 (0)221-257 48 70
Der andere Buchladen,
Ubierring, T. +49 (0)221-32 95 08
Buchhandlung Goltsteinstraße
Goltsteinstraße ,T. +49 (0)221-340 07 17

Literatur im Dialog II

›Identitätsspiele‹
Donnerstag, 25.1.2018, 14.00 Uhr

Internationales Kolleg Morphomata

Wie verändern Medikamente unseren Körper? Wie die Sprache? Wie kann man mit Hilfe der Poesie mit Identitäten spielen? Das sind die Ausgangsfragen von Morten Søndergaards poetologischem Experiment Wordpharmacy, übersetzt und kommentiert von Jan Wagner. Einer Wortapotheke, in der Wortklassen in Medikamentenschachteln nur verwahrt werden, um sie durch absurde Kommentare aus ihren funktionalen Klassifizierungen als Adverbien oder Verben etc. wieder zu befreien. 

Moderation: Yoko Tawada.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.          

Der Eintritt ist frei.

Die Kunst der Verwandlung III

Lesungen und Dialoge mit Jeffrey Angles, Anneke Brassinga und Hiromi Itō
Donnerstag, 25.1.2018, 19.00 Uhr

Japanisches Kulturinstitut Köln

»Wäre ich nicht Übersetzerin geworden, hätte ich nie angefangen zu schreiben«, so Anneke Brassinga, die sich als Zeichensammlerin versteht, im Wissen, dass jedes Gedicht mehr ist als nur eine Sammlung von Sprachzeichen. Gedichte spiegeln die Sehnsucht wider, den Dingen der Welt Bedeutung zu verleihen, und jede neue poetische Konstellation beweist wie das Übersetzen von einer Sprache in eine andere, wie unterschiedlich sich die Dinge der Welt sehen lassen. – Von der Freiheit handeln die Gedichte von Jeffrey Angles, von der Hoffnung, sich zwischen Kulturen und Sprachen und Geschlechtern frei bewegen zu können, unabhängig zu werden von der sklavischen Gebundenheit an die Muttersprache und an die Kultur des Vaterlandes. Deshalb schreibt Jeffrey Angles als Amerikaner in Japanisch und empfindet den Übergang von der eigenen in die fremde Sprache als etwas Körperliches, Intimes, ja Erotisches. – Hiromi Itō ist eine der bedeutendsten Autorinnen der japanischen Gegenwartsliteratur, eine Performance-Künstlerin, eine »Schamanin der Poesie«, die die Stimmen des Alltags und die Themen des weiblichen Alltags: Schwangerschaft, Abtreibung, Sex, Altern oder Sterben,  wie auch der archaischen Mythologie Japans in ihren Auftritten auf faszinierende Weise lebendig werden lässt.

Moderation: Yoko Tawada.

Es lesen Nicola Gründel und Philipp Plessmann.

In Kooperation mit dem Japanischen Kulturinstitut.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt und wird simultan übersetzt.

Eintritt: 8/6 EUR

Die Karten erhalten Sie an der Abendkasse.

Blind Spot

Workshop für Studierende und Promovierende der Universität zu Köln mit Teju Cole
Freitag, 26.1.2018, 10.00 Uhr

Internationales Kolleg Morphomata

Teju Cole ist ein Nomade in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. In seinen Fotografien und Prosatexten, die rätselhaft aufeinander verweisen, die zusammen Denk-Bilder ergeben, entwirft er eine Poesie der ›Blinden Flecken‹. Der Workshop begibt sich auf die Spuren des Verdrängten und untersucht die Mach-Art und Wirkmacht von Teju Coles Texten.

Moderation: Hanjo Berressem, Sinah Kloß.

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt und ist nicht öffentlich.

Inter-Art-Metamorphosen

mit Yoko Tawada (Poesie), Naomi Sato (Shō) und Rie Wada (Kalligraphie)
Freitag, 26.1.2018, 19.00 Uhr

Sancta-Clara-Keller

Kalligraphie ist nicht nur eine Raumkunst, sondern eine Zeitkunst wie Musik. Die schwarze Spur auf dem Papier, das Schriftzeichen, hält nur eine kurze Phase des unendlichen Schreibens fest. Die Kalligraphie-Künstlerin Rie Wada verwandelt die Stimme in die Schrift, während Yoko Tawada aus ihren Texten liest. Naomi Sato studierte zuerst Saxophon, entdeckte aber bald das traditionelle japanische Musikinstrument Shō, das kaum noch gespielt wird. Es ist eine Art Flöte und funktioniert ähnlich wie eine Mundharmonika. Man sagt, die Shō verkörpere den mythischen Feuervogel Phönix. Die siebzehn Röhren aus schmalem Bambus stellen seine Flügel dar. Die Stimme wird zu den Spuren der Tusche und die Schrift zur Musik. Ein Abend der wundersamen Verwandlung.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.

Eintritt: 8/6 EUR

Die Karten erhalten Sie an der Abendkasse.

›Beyond Identities‹

Poetry Meets Scenery
Samstag, 27.1.2018, 20.00 Uhr

Schauspiel Köln, Depot 2

Was passiert, wenn Poesie und Darstellendes Spiel aufeinander treffen? Der letzte Abend der Poetica IV lässt noch einmal alle Autoren Revue passieren. Ihre Gedichte werden in der Originalsprache gelesen und von Schauspielern und Musikern des Schauspiel Köln ins Szenische übertragen. Im Anschluss an die Aufführung gibt es die Möglichkeit, mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen.

Mit den Autoren: Jeffrey Angles (USA), Bei Dao (China) ,  Anneke Brassinga (Niederlande), Teju Cole (USA/ Nigeria), Hiromi Itō (Japan), Kim Hyesoon (Südkorea), Barbara Köhler (Deutschland), Morten Søndergaard (Dänemark), Monique Truong (USA/Vietnam), Jan Wagner (Deutschland) und Yoko Tawada (Kuratorin der Poetica).

Mit den Ensemblemitgliedern Yuri Englert, Justus Maier, Philipp Plessmann, Annika Schilling und Elisa Schlott.

Regie und Musik: Philipp Plessmann; Dramaturgie: Stawrula Panagiotaki; Bühne: Katrin Lehmacher; Kostüme: Jean Louis Frère

In Kooperation mit dem Schauspiel Köln.

Tickets 12/7 EUR

Karten erhalten Sie über das Schauspiel Köln

(tickets@buehnenkoeln.de oder unter +49 (0)221.221-284 00).