Festival für Weltliteratur
25.–30.1.2016 – Köln

›Blue Notes‹

Auftaktveranstaltung mit den Autoren der Poetica
Montag, 25.1.2016, 18.00 Uhr

Universität zu Köln, Aula II

Aleš Šteger, slowenischer Lyriker, Erzähler und Verleger, hat als Kurator der Poetica II namhafte Schriftsteller aus aller Welt für eine Woche nach Köln eingeladen, ›literarische Amphibien‹, die zwischen den Genres zu wechseln verstehen, wenn sie ›Blue Notes‹ verfassen. Autoren, die in Lyrik und Prosa, in Libretti und Songtexten, in Essays und Performances ihrer Trauer und ihrer Sehnsucht Gestalt verleihen – der Trauer über eine aus den Fugen geratene Welt, der Sehnsucht, diese in der Kunst wieder einzurichten. Die Auftaktveranstaltung in der Aula der Universität dient der Vorstellung aller Autoren der Poetica, in Gesprächen mit dem Kurator sowie durch Lesungen von Texten, die sie kenntlich machen – in der Originalsprache wie in deutscher Übersetzung.

Der Abend wird eingeleitet durch kurze Grußworte von Axel Freimuth (Rektor der Universität zu Köln), Katharina Kloke (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Barbara Foerster (Kulturamt der Stadt Köln) als Fördergebern der Poetica. Hinzu kommen ›Minima Poetica‹ von Günter Blamberger (Internationales Kolleg Morphomata) und Heinrich Detering (Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung). Im Anschluss an die Veranstaltung lädt das Internationale Kolleg Morphomata zu einem Empfang ein.

Mit den Autoren Juri Andruchowytsch (Ukraine), Bernardo Atxaga (Spanien), Georgi Gospodinov (Bulgarien), Lavinia Greenlaw (Großbritannien), Durs Grünbein (Deutschland), Paul Muldoon (USA), Ilma Rakusa (Schweiz), Ana Ristović (Serbien), Sjón (Island) sowie Aleš Šteger (Slowenien; Kurator der Poetica).

Mit den Schauspielern Stefko Hanushevsky und Lou Strenger

Musik: Philipp Pleßmann

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

Der Eintritt ist frei.

Literatur im Dialog I

»Nevermore«
Dienstag, 26.1.2016, 14.00 Uhr

Internationales Kolleg Morphomata

Um Mitternacht sitzt ein Jüngling am Schreibtisch, er denkt an seine entschwundene Geliebte, Lenore, und stellt einem Raben, der durch das Fenster geflattert ist, deshalb eine Frage nach der anderen. Der Rabe jedoch krächzt ihm immer nur ein Wort entgegen »Nevermore«. Mit diesem düsteren Orakelspruch endet Edgar Allan Poes Gedicht The Raven von 1845, das ihn berühmt macht. Ein Jahr später stellt er seinen Erfolg in dem Essay The Philosophy of Composition als bloßes Form-Kalkül ohne Wirklichkeitsbezug dar: Nichts rühre einen Leser mehr als die Trauer um den Tod einer schönen jungen Frau. Der Essay freilich ist nur eine Künstlerlegende, um die Traumata von Poes Leben zu verdecken: den frühen Tod seiner Mutter mit 24 Jahren, den Tod seiner Jugendgeliebten Helen, die Krankheit seiner jungen Ehefrau Virginia, die 1847 an Tuberkulose stirbt.

›Blue Notes‹ – Literatur als Kunst der Trauer und ihrer Bewältigung in unterschiedlichen Kulturen und Formen: Das ist das Thema dieser öffentlichen Diskussion mit den Autoren der Poetica und den Fellows des Internationalen Kollegs Morphomata der Universität zu Köln in der Bibliothek des Kollegs. Wie gestaltet sich Trauer in Gedichten, wie in Romanen, wie kann sie die kleine, wie die große Form begründen? Muse Melancholie, Therapeutikum Poesie – das ist eine tröstliche Formel, die den Autor wie den Leser täuschen und ihn nur noch tiefer in die Heillosigkeit der Verzweiflung führen, die manchmal jedoch aufgehen kann.

Moderation: Günter Blamberger, Hanjo Berressem, Aleš Šteger

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

Der Eintritt ist frei.

Blaue Stunde I

Lesungen und Gespräche mit Bernardo Atxaga, Lavinia Greenlaw und Paul Muldoon
Dienstag, 26.1.2016, 20.00 Uhr

Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Köln

»Wissen Sie, wie lange Adam und Eva im Paradies waren?« – »Nein«. »Wenn Dante nicht irrt, bloß sieben Stunden.« So der baskische Schriftsteller Bernardo Atxaga. Wie kurz ist das Glück, wie lang die Trauer, in seinen Gedichten und Romanen, für die er in Spanien mit dem Nationalpreis für Literatur ausgezeichnet wurde? – Und wie lang sind die »tall spikes of blue flowers«? Eine Frage aus einem Gedicht der Engländerin Lavinia Greenlaw, die ›blue moments‹ zu beschreiben sucht und dabei doch weiß: »I keep my distance, as things turn blue / through stillness and distance, / as everything blue is distant.« – Manchmal genügt auch ein blauer Stift zur Beschwörung der Melancholie: »For your blue pencil: / ›All cancelled; / Nothing gold can stay.‹« So Paul Muldoon, Pulitzerpreisträger aus den USA, einer der bekanntesten zeitgenössischen Lyriker in englischer Sprache, der auch für Rockbands schreibt, im Rückblick auf »a golden age / of poetry and power.« – ›Blue Notes‹, zitiert aus den Werken dreier bedeutender Gegenwartsautoren, die in der Stadtbibliothek Köln in Lesungen und Gesprächen vorgestellt werden. ›Two golden hours of poetry and power‹ sind zu erwarten.

Moderation: Hanjo Berressem, Marisa Siguan-Boehmer, Aleš Šteger

Mit der Schauspielerin Melanie Kretschmann

Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.

In Kooperation mit der Stadtbiblitothek Köln

Eintritt 8/6 EUR

Die Karten erhalten Sie an der Abendkasse.

 

 

Literarische Werkstatt

mit Ilma Rakusa und Aleš Šteger
Mittwoch, 27.1.2016, 10.00 Uhr

Internationales Kolleg Morphomata

Ist Dichten erlernbar? In ›creative writing workshops‹ nach dem Vorbild amerikanischer Universitäten? In Deutschland zweifelte man lange Zeit daran. Kreativität galt als Naturgabe, als Ausdruck eines Originalgenies. Neuerdings werden jedoch auch hierzulande mehr und mehr Studiengänge für literarisches Schreiben eingerichtet. Mit Recht, denn Schreiben setzt zuallererst handwerkliches Können voraus, das erlernt werden kann oder muss.

Im Rahmen der Poetica II haben Studierende der Universität zu Köln Gelegenheit, die Machart ihrer Texte in einer literarischen Werkstatt zu überprüfen, gemeinsam mit Aleš Šteger und der Schweizer Lyrikerin und Erzählerin Ilma Rakusa als Mentoren. Die Zahl der Teilnehmer an diesem halbtägigen Workshop ist begrenzt. Teilnehmen können nur eingeschriebene Studierende der Universität zu Köln. Interessenten werden gebeten, einen Lebenslauf sowie Textproben (ausschließlich Lyrik; max. sechs Gedichte; kein Gedicht länger als zwei Seiten) bis zum 10. Januar 2016 einzusenden an: Marta Dopieralski, Internationales Kolleg Morphomata, Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln (marta.dopieralski[at]uni-koeln.de).

Die Veranstaltung ist nicht öffentlich.

Blaue Stunde II

Lesungen und Gespräche mit Juri Andruchowytsch, Durs Grünbein und Ana Ristović
Mittwoch, 27.1.2016, 19.30 Uhr

Literaturhaus Köln

Stanislaus Perfezki, der Held des ukrainischen Underground, ist nach einem ereignisreichen Symposium in Venedig über den postkarnevalistischen Irrsinn der Welt auf mysteriöse Weise verschwunden. Das ist das Ausgangsrätsel von Perversion, einem Roman des ukrainischen Schriftstellers Juri Andruchowytsch, der wohl prominentesten intellektuellen Stimme seines Landes. Weniger bekannt als seine Romane sind in Deutschland seine Punktext-Performances oder seine melancholische wie zornige Lyrik, die im Vordergrund dieses Abends stehen wird. – Transparenz in Blau heißt ein Gedicht Durs Grünbeins, ein Blaugedicht ohne das Wort Blau; die Transparenz verdankt sich der »Leere« unter dem Himmel, der fehlenden Transzendenz. 1995 wurde Grünbein der Büchner-Preis verliehen, im Alter von 33 Jahren. Seitdem gilt er mit seinen Gedichten von großer Gelehrsamkeit als der poeta doctus Deutschlands. – Mit ›Blue Notes‹ von Ana Ristović, einer der eindrucksvollsten südosteuropäischen Lyrikentdeckungen der letzten Jahre, schließt der Abend, mit der Angst vor der »Angst mit dem Zuviel an Blau«, dem »Zuviel an Schwermut«, wie es in ihrem Gedicht Städtische Müllkippe heißt.

Moderation: Terry Albrecht, Michael Braun, Aleš Šteger

In Kooperation mit dem Literaturhaus

Eintritt 8/6/4 EUR
Karten gibt es an der Abendkasse, im Vorverkauf über Offticket oder die folgenden Buchhandlungen:
Lengfeld’sche Buchhandlung, Kolpingplatz,
T. +49 (0)221-257 84 03
Buchhandlung Bittner, Albertusstraße, T. +49 (0)221-257 48 70
Der andere Buchladen, Ubierring, T. +49 (0)221-32 95 08
Buchhandlung Goltsteinstraße (Bayenthal),
T. +49 (0)221-340 07 17

Art of the Blues

Lesung und Musik mit Aleš Šteger
Mittwoch, 27.1.2016, 22.00 Uhr

King Georg Klubbar

»Tage mit der Halbwertszeit eines ganzen Lebens« heißt es in einem Prosagedicht Aleš Štegers. Immer wieder sucht er nach epiphanischen Augenblicken, die die Zeit aufheben. Seine Erzählungen und Gedichte sind Kunststücke der Wiederholung, die den Toten der jugoslawischen Kriege oder Fukushimas ihre Stimme wiedergeben und das Schweigen der Überlebenden über die Traumata der Opfer der Geschichte brechen. Die einmalige Atmosphäre des King Georg hat Aleš Šteger zu einer anderen Art der Wiederholung inspiriert, einer Wiederholung, die eine Erinnerung in die Zukunft sein wird: Im Zusammenspiel mit einem Musiker mischt er fremde mit eigenen Blues-Stimmen.

Musik: Philipp Pleßmann

In Kooperation mit der King Georg Klubbar

Der Eintritt ist frei.

Literatur im Dialog II

Blaupausen in Poesie und Prosa
Donnerstag, 28.1.2016, 14.00 Uhr

Universität zu Köln, Alter Senatssaal

Blaupausen sind bekanntlich Konstruktionszeichnungen, und um die wechselnden Baupläne der Dichtkunst geht es auch in dieser öffentlichen Diskussion mit den Autoren der Poetica und den Fellows des Internationalen Kollegs Morphomata der Universität zu Köln. Literatur speichert nicht nur das Wissen vergangener Zeiten und der eigenen Zeit, sie schafft in der je konkreten Gestaltgebung immer auch neues Wissen von der Welt und gibt es wirkmächtig an künftige Zeiten weiter. Wie formt die Poesie, wie formt die Prosa unser Wissen, im Unterschied zu den Wissenschaften? Welchen Mehrwert haben ästhetische Ideen vor Vernunftideen? Wie frei gehen Autoren heutzutage mit kreativen Vorbildern und Traditionen um? Was macht sie zu ›literarischen Amphibien‹, die zwischen Poesie und Prosa wechseln? Wie beschreiben sie eine dergestalt amphibische Kreativität, wenn sie einmal in Sätzen leben, ein andermal in Versen tanzen?

Moderation: Günter Blamberger, Aleš Šteger

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

Der Eintritt ist frei.

Blaue Stunde III

Lesungen und Gespräche mit Georgi Gospodinov, Ilma Rakusa und Sjón
Donnerstag, 28.1.2016, 20.00 Uhr

Filmhauskino Köln

»Nostalgie nach Jean Marais und Lollobrigida, / nach alten russischen Filmen über den Krieg, / […] / Nostalgie nach dem alten Bett im Dorf / mit dem bemalten Kopfteil – türkisblau«, vier Verse aus dem Gedicht Geboren am 7. Januar von Georgi Gospodinov, einem der spannendsten zeitgenössischen Autoren aus Südosteuropa, der in seinem Werk die »Physik der Schwermut« erkundet. – Vom Türkisblau des Balkans zum »blauen Band des Meers«, das bei Ilma Rakusa, Tochter eines slowenischen Vaters, einer ungarischen Mutter, in Zürich jetzt lebend, eines der Erinnerung, der Sehnsucht ist, weil man die Schweiz, anders als Böhmen, nicht ans Meer begnaden kann, auch nicht durch ein so wunderbares Buch wie Mehr Meer. – Heller, kühler, härter ist das Blau des Nordens, die Melancholie des Nordens, spürbar in den Gedichten des isländischen Autors Sjón, der für Björk Liedtexte schreibt und für einen Song in Lars von Triers Film Dancer in the Dark für den Oscar nominiert war.

Moderation: Clemena Antonova-Crombois, Michael Braun, Stephan Schröder

Mit der Schauspielerin Lou Strenger

Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.

Eintritt 8/6 EUR

Die Karten erhalten Sie an der Abendkasse.

Vier Farben Blau

Lesungen und Gespräche mit den Autoren der Poetica und Autoren der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
Freitag, 29.1.2016, 19.00 Uhr

Wallraf-Richartz-Museum, Stiftersaal

Der Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums, ein Ungersbau, ist sicher der schönste moderne Saal Kölns, ein idealer Ort für ein spektakuläres Dichtertreffen von Autoren der Poetica mit vielfach preisgekrönten Autoren der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, um gemeinsam in Lesungen und Gesprächen im Blick auf Vergangenheit und Gegenwart den kulturell unterschiedlichen Symbolwerten von Blau nachzuspüren, dem ›Blau der Welt‹ in allen vier Himmelsrichtungen: dem Blau des Nordens (Greenlaw, Muldoon, Sjón) wie des Südens (Atxaga, Gospodinov, Rakusa), dem Blau des Ostens (Andruchowytsch, Kermani, Ristović) wie des Westens (Krüger, Mosebach, Muldoon, Rinck).

Mit den Autoren der Poetica Juri Andruchowytsch (Ukraine), Bernardo Atxaga (Spanien), Georgi Gospodinov (Bulgarien), Lavinia Greenlaw (Großbritannien), Paul Muldoon (USA), Ilma Rakusa (Schweiz), Ana Ristović (Serbien), Sjón (Island) sowie Aleš Šteger (Slowenien; Kurator der Poetica) und neu hinzukommenden Autoren der Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung: Heinrich Detering, Navid Kermani, Michael Krüger, Martin Mosebach und Monika Rinck.

Mit den Schauspielern Stefko Hanushevsky und Lou Strenger

Musik: Matthias Kurth

Moderation: Günter Blamberger, Aleš Šteger

Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.

In Kooperation mit dem Wallraf-Richartz-Museum

Eintritt 8/6 EUR

Die Karten erhalten sie an der Abendkasse.

›Blue Notes‹: Poetry Meets Scenery

– mit den Autoren der Poetica und Autoren der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
Samstag, 30.1.2016, 20.00 Uhr

Schauspiel Köln, Depot 2

Die Regie des Abschiedsabends liegt in den Händen von Moritz Sostmann, dem Hausregisseur am Schauspiel Köln. Noch einmal werden dabei die Autoren der Poetica gemeinsam mit namhaften Autoren der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auftreten. Das Festival für Weltliteratur endet mit einem Fest. In Autorenlesungen und szenischen Übersetzungen werden Poesie und Prosa erfahrbar und hörbar gemacht, in der Hoffnung auf eine wechselseitige Erhellung der Künste, bevor es die Möglichkeit gibt, bei Essen und Getränken mit den Autoren ins Gespräch zu kommen.

Mit den Autoren der Poetica Juri Andruchowytsch (Ukraine), Bernardo Atxaga (Spanien), Georgi Gospodinov (Bulgarien), Lavinia Greenlaw (Großbritannien), Paul Muldoon (USA), Ilma Rakusa (Schweiz), Ana Ristović (Serbien), Sjón (Island) sowie Aleš Šteger (Slowenien; Kurator der Poetica) und neu hinzukommenden Autoren der Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung: Heinrich Detering, Navid Kermani, Michael Krüger, Martin Mosebach und Monika Rinck.

 

Mit den Ensemblemitgliedern Stefko Hanushevsky, Philipp Pleßmann und Lou Strenger. Regie: Moritz Sostmann; Dramaturgie: Nina Rühmeier; Bühne: Berit Schog; Kostüme: Nadja Zeller; Musik: Philipp Pleßmann.

In Kooperation mit dem Schauspiel Köln

Eintritt 12/7 EUR

Karten erhalten Sie über das Schauspielhaus ( oder unter T.+49 (0)221.221-284 00).